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" Schluss"- Rechnung

Um 1 Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, werden 15.931 Liter Wasser benötigt.
Täglich sterben weltweit 4873 Kinder an Wassermangel oder durch Wasserverunreinigungen.

Aufgabe 1: wenn man 20 Dekagramm Rindfleisch verzehrt, dann müssen dafür wie viele Kinder sterben?


Aufgabe 2: jeder Mensch konsumiert im Schnitt täglich 8 Dekagramm Rindfleisch.

 Berechne den Wasserverbrauch, wenn dies 16.863.954 Menschen täglich tun.


Aufgabe 3: den errechneten Wasserwert aus Aufgabe 2, rechne jetzt in tote Kinder um.

aW; 2009

 
Seneca's training

Ich halte es für notwendig, ab und zu Tage einzuschieben, an denen wir uns durch eine freiwillig gelebte Armut vorüben für die Wirkliche. Und das ist um so nötiger, da wir durch unsere Gelüste völlig verweichlicht sind und alles als hart und schwer empfinden. Ja, wir müssen uns aus dem Schlafe reißen und aufrütteln und müssen uns dessen erinnern, dass die Natur nur sehr wenig für uns bestimmt hat. Keiner wird reich geboren, jeder, der das Licht erblickt, ist gehalten, mit Milch und mit einer Windel sich zu begnügen. Und nach einem solchen Anfang wollen uns doch oft Königreiche nicht genügen.    

 Lebe wohl !

 
Appetitliche Droge
DER SURREALISMUS IST keine KUNST.
ER IST eine DROGE.

aW; 2017
 
Kopfschuss

 Die Kunst und deren Macher müssen verrückt sein dürfen. Alles andere wäre ein Kopfschuss mitten durchs Herz!

aW;  2008

 
Augen der Liebe ( Besucherwunsch)
 

Ob die Augen der Liebe
offen oder geschlossen bleiben
hängt davon ab
ob das Vertrauen
ein Krautfass oder ein Kaminbesen ist.


aW; 2013

 
WEISS ich nicht !

Was heißt denn schon schön ?  Was heißt hässlich ?
Was heißt groß, stark, gescheit und schwach ?
Wer ist denn schon Guillaume Apollinaire und Francis Picabia?

Weiss ich nicht ! Keine Ahnung ! Nie davon gehört !
Was heißt denn schon " ICH " ?
Weiss ich nicht ! 
Keine Ahnung ! Nie davon gehört !

aW; 2007

 
PLATONISCHE GEBISSE KAPITEL II

Die Amazone Handtuchhalter

 

Das von einem Menschen begangene Verbrechen wird zum Vergnügen in seinen Ohren; die Erinnerung an die eiskalten Finger kühlt die Luft im Sommer ab und wärmt im Winter wie die große Leidenschaft auf einem von öden Landschaften umgebenen Felsen; das Opfer trägt immer etwas Verachtung auf dem Gesicht, da wir viel Zeit brauchen, um uns ihm anzuschließen: das ist viel schrecklicher.

Nach einer Weile: 

Sie führen meinen Geist irre, Sie waren bewundernswürdig, Ihr Gehirn, schattenlos wie das Licht eines musikalischen Vornamens, glänzte mit dem Lärm von schweren Stiefeletten; jetzt ist das Fiasko gewiss, nicht wahr? Sie sind furchtbar krank, Ihre gegen ein Brett offenen Lippen sind absurd wie die Kleider eines Romeos. Leser des Olymps, über die Balustrade gebeugt, Ihr seid das gleiche Blut wie ich, und unter dem riesigen, mit gelben Blütenblättern lodernden Leuchter, schaut Euch die vulgären Nuancen gekleideten Ungeheuer des Orchesters an. . . !!! Ein Ehepilz hat die Augen auf der Kehrseite seiner Hände; er ist ein Gentleman, er hat gute Beziehungen, nun – er ist ein Schleienmaul. Alle Frauen nicken mit dem Kopf von oben nach unten; „ ja“, sagen sie und trocknen die Augen mit einem kleinen blauen Taschentuch und ihre Blicke richten sich auf mich. Entschuldigung!

 Meine Augen sind voller Seufzen, ich will euch allen das Haar streicheln, während die Menge mich einen Verrückten schilt. – Verrückt! Gott im Himmel! – Und jetzt ist der vollkommen glückliche Sommer. Ich habe gehört, dass der Tau des Atems der Skulptur und der Malerei ähnelt; vergesst bis morgen Abend nicht die Suggestion und die guten Ratschläge der Juden. 

Die im Wartesaal des Bischofssitzes getroffene Reblaus, „ of the emancipatory movement“, Flöhe mitten im Revillon-Haar; „ brilliant society“ im immer mit Literaturkranken vollbesetzten Tingeltangel Oper; der Papst öffentlicher Dienst Weinblätter verunglimpfen das demokratische Bekenntnis des gesicherten Friedens; wie Heinrich IV. , Jäger der Guerlain-Emotionen, verstehen sie den das hohe Alter enthüllenden Sinn; Schwäche im Stab der Eifersucht als Schlag des Morgens Maschinengewehrschützen, beladen mit anderen Visionen. Es scheint mir also logisch, auf Seidenblätter in der alten Methode Entwicklungen Stillleben zu schreiben, um dem Apotheker des Probierens der Bazar Amateure einen festen Platz zu verschaffen, der Flaneure der Leidenschaft, gangränesziert in einem Diplomatenbrief, der von den Klerikalen des astronomischen Immatrikulationshandels immer mehr erwartet wird. Bewegliches Vermögen, Rennen und Nutznießungen, Arbeitsprodukt, Wagen, Automobile, Velozipede, Motorräder, Hunde des Bezirkes unter freiem Himmel fügen der schlechten Laune der vereinzelten Schreie eine kurze Beleidigung zu. Ungerechtigkeiten unserer großen Familie mit den verschiedenen Aspekten; und die am wenigsten informierten Leute des alten Regimes setzen sich für die Verteidigung der Verpflichtung ein, ohne dass vertrauliche Tal der Vororte und die eingefleischte Disziplinlosigkeit zu vergessen, die das nationale Vergnügen von Invaliditäten auf Lebenszeit mit der Höhe der beiden Köpfe verbindet. Aber das ist bei weitem noch kein Grund, die Daseinsberechtigung zu verdächtigen, wir sind in strikter Neutralität für die Unabhängigkeit der Entwickler des photographischen Denkens. Die natürlichen Grenzen der Ungeschicklichkeiten führen die Disziplin auf einen vom Nordwestwind plattgewalzten Boden, unter bestimmten Abkommen Kollegen. Zwischen den Anwandlungen von grobem Schamgefühl des herrlichen, aber am Reichtum der ausgehaltenen Frauen verankerten Helden wird das mittelmäßige Nichts durch die Tugend der moralischen Eigenschaften des blinden und wie das fatale Gesetz der Vorurteile einfachen Weltalls befriedigt.

Kunst und Wissenschaft sind objektiv wie die Frauen; der Intellektualismus zwischen Mann und Weib ist eine quälende Lähmung, am besten geht man in ein Bordell und liebt ein oder zwei Stunden die jähe leidenschaftliche Besitzerin und inbegriffen vor der Gottheit aus zinnlegiertem Glas. Kinematograph von einigen Minuten, Bilder eines stillen Glücks, echte Liebe, die täglich im sublimierten Sublimen ertrinkt. – Kind Moses, von allen als Erinnerung zurückgewiesen, das über die vitale Kontinuität der Welt Samenfaden hinausgeht. Die Natur lenkt die Gattung vom Bösen ab, die Theorie sucht nach ihren Rechten und treibt die kleinen antisozialen Menschen der Impotenz entgegen, die die subjektive Schwingung des Fleisches lallt, eine Enttäuschung. Hohe Treppen des diebischen Himmels, Sie sind die fortgehende Liebender Liebende – also keine Ironie über die Lust der Sinne Eizellen. Sorgfältig übertragen Hände die Sympathie, die aus einer Menge mit erschüttertem Herzen vor einer Gottheit entstanden ist, eingeschlossen in einem gebohnerten Salon. Man ertrinkt mit dem Blick der verfolgenden Wolken von Arbeitern königlichen Gräbern in der Beweglichkeit der Neger-Nonnen, wo sich das Unerforschte in meinem Gedächtnis einschließt in der Form von flüchtigen Heimtücken mit einem spontanen Schlag wie die Schöpfung eines sich nicht gleich bleibenden Dichters, gequält in der sexuellen, den heftigen Niedergeschlagenheiten unterworfenen Inspiration.  

Bitter wie der unsterbliche, zerstreute Gedanke an die Sorgen der egoistischen Vaterschaft der Rose, der egoistischen Ewigkeit des Menschen gegenüber der Liebe entgegengesetzt. Die Liebe, eine Art über die Zärtlichkeit der Zukunft gebeugte Traurigkeit, um im Instinkt des doppelten Herzens zu leben, besteht darin, die Religion für das Verlangen des unbestimmten und widersprüchlichen Hasses zu erfinden. Meistens reicht der erste unvergleichliche Schritt zu einer Unbekannten dem Fehlgriff seine fernen Arme und der Grausamere der Wonne des Absoluten, in der sich die Schätze eines blinden Dammes befinden. Ihr Schauspielerinnen und Schauspieler, am Grund der alten Ohren grüßt Ihr die Lieder der höheren Befehle, anstatt dem Licht hohe Schule den Rock hochzuschlagen.


 

FRANCIS PICABIA - Lausanne, 15. Dezember 1918

 
Geld-Talente und Talente-Geld ( Besucherwunsch)
Geld- Talente sind Talente die aus den dunkelgrauen Staubschwaden der verwirrten Toreros auftauchen. Talente, die die Arena nur getarnt mit schwerem Atemschutz betreten um unbeschadet und unerkannt der Dekompression durch die Kämpfer zu entkommen. Bevor die Talente denen Stöcke zwischen die Zähne schieben,um sie auszuquetschen wie Tintenfische, ziehen sie denen die Hosen bis zu den Knöcheln hinunter. Mit ihren Stiefeln treten sie denen dann solange in die nackten Ärsche bis die ihre Talente-Gelder "freiwillig" ausspucken. Bedanken tun sich die Geld-Talente mit einem a cappella gesungenen Nilpferdsong. Dann tauchen die Geld-Talente in der Kanalisation ab. Ihre prall gefüllten Säcke verstecken sie zuvor zwischen den Bänken der Schulbusse. Dort tauschen die Geld-Talente auch die Militärstiefel gegen die Sandalen jungfräulicher Geishas aus. Ihren Gestank übertönen die Geld-Talente mit Schweizerkäse. Ihre Fluchtwege verlaufen immer durch die erntefertigen Gemüsebeete der Nutzmenschen. Dann wird noch schnell die Präpotenz mit der heiligen Krone der Selbstanzeige gekrönt. Obwohl Ihre Lippen vom Zählen grün- gelb und rötlich eingefärbt sind reichen die Talente-Gelder offiziell immer nur für einen Toiletten oder Kirchengang. Es folgt das Mitleid und die Achtung der Talentelosen. Sobald sich die Staubschwaden lichten, dürfen die Toreros ihre Hosen wieder hinauf und die Hemden ausziehen. Wieso? Damit beim Ärmelaufkrempeln nicht zu viel Zeit verschissen wird.

aw; 2014
 
Horizont ( Besucherwunsch)
 

 

 
 

Wie eng ist doch das Meer,
wie nah liegt der Horizont.
Zu offen ist der Moment
und viel zu kurz das Sein.

 

aW; 2008

 
STILLEN ( Besucherwunsch)

Säuglinge werden von ihren Müttern gestillt, wenn sie schreien.
Kinder werden mit Süßigkeiten abgespeist, wenn sie quengelig sind und stören.
Größere Kinder stillen sich selbst mit Computerspielen und Drogen.
Noch ältere Kinder werden mit schnellen Autos, Macht , Familie, Sex, oder durch den Suff abgelenkt.
Die im Sterbebett liegenden Kinder werden dann mit dem Glauben gestillt, wenn sie schreien.

aW; 12.11.2007

 
Paul an Gala

Brief: Breton - mit Unterstützung von Peret, Huggnet und den Malern Tanguy, Brauner, Ernst, Herold und  Meret Oppenheim - an die Surrealisten

Lieber Freund, wir rechnen fest mit Deiner Anwesenheit bei der Versammlung am 5. Februar um 9 Uhr bei Breton in 42 rue Fontaine. Tagesordnung: da sich Dali wiederholt konterrevolutionär verhalten und sogar den Hitler – Faschismus glorifiziert hat, schlagen die Unterzeichneten – trotz Dalis Erklärung von 24. Januar 1934 – vor, ihn als faschistisches Element von der surrealistischen Bewegung auszuschließen und ihn mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen.

Brief: Paul an Gala

Bevor ich Deinen Brief erhielt, schickten Tzara und ich jeweils einen Brief an Breton, in dem wir unser Bedauern über die scharfen Angriffe auf Dali ausdrückten und darauf hinwiesen, dass wir uns surrealistische Aktivitäten ohne ihn nicht vorstellen können. Dali muss unbedingt ein anderes Thema für seine Wahnvorstellungen finden. Uns liegt – genauso wie auch ihm – sehr viel an einer weiteren Zusammenarbeit; das Lob auf Hitler, vor allem so, wie Dali es ausdrückt, ist jedoch völlig inakzeptabel und wird das Ende des Surrealismus und unsern Bruch mit Dali zur Folge haben. [ ….] Was den von Dir erwähnten Hass, die Verständnislosigkeit, den Neid und die Dummheit betrifft, so kannst Du glauben, dass ich mich von all dem distanziere. Aber diese Regungen ausmerzen zu wollen, ist zwecklos. [ ….] Es kommt jetzt darauf an, weiterhin gemeinsam aktiv zu seien, da sich jedes individuelle Handeln bald als fruchtlos, ja sogar schädlich erweisen wird, denn es läuft Gefahr, sich zu verbürgerlichen.

Auszug aus einem späterer Brief: Paul an Gala

Da Dali sein Verhalten nicht ändert und ich der Meinung bin, dass 1. ein derartiger Verteidiger wie Dali den Faschisten nur allzu willkommen ist und 2. die eigensinnige Haltung Dalis einen echten Verrat darstellt (sie lässt z.B. Aragons Verhalten als objektiv richtig erscheinen), habe ich Gestern Breton ermächtigt, künftig auch in meinem Namen nach seinem Gutdünken zu entscheiden.

Quelle: der sehende Bruder

 
Die Zeit hat keine Gegenwart ( Besucherwunsch)

Pedantisch und logisch gedacht hat das akute Hier und Jetzt auf Grund der Zeit keine Gegenwart. Vergangenheit und Zukunft haben ihren Schnittpunkt irgendwo im Makro- Sekundenbereich. Ginge nichts vorbei, so würde es keine Vergangenheit geben. Würde nichts heran kommen, so gäbe es keine Zukunft. Also muss die Gegenwart auf Kosten der Zeit im Nichtsein verschwinden, da nur die Zukunft und die Vergangenheit gemessen werden kann. Sollte es die Gegenwart theoretisch und philosophisch gedacht doch geben, so muss sie logischerweise irgendwo zwischen dem im noch nicht, und dem nicht mehr sein liegen. Was aber nichts anderes bedeutet als: Alle Lebewesen und Dinge die keine Zeit haben, haben ihren Bestand ohne Vergangenheit und ohne Zukunft in der Gegenwart.


aW, 2009

 
SURREALISMUS

Surrealismus ist wie undurchsichtige Schaufenster in denen man die Freiheit sieht!


aW; 2008

 
Endlich Ferien!

Endlich bin ich wieder in den Ferien. Seit Jahren im selben Zimmer ohne Blick auf das Meer und mit Vollpension. Die Anreise ist - so wie jedes Jahr - die reine Nervenbelastung. Ich fahre nämlich immer auf den selben Bundesstraßen, denn da sehe ich mehr vom fremden Land. Was die für die Autobahnbenützung kassieren  wollen, ist der pure Wahnsinn und um das eingesparte Geld kann ich mir in meinem geliebten Urlaubsort schon wieder etwas mehr leisten. Der Traktor, der mir auf einer Länge von fast dreißig Kilometern ein rascheres Vorrankommen verhindert und die vielen Lastkraftwagen, hinter denen ich herfahre sowie die Geschwindigkeitsbegrenzungen, nehme ich getrost und gerne in Kauf. Da ich vier Stunden länger als geplant unterwegs war, habe ich das erste Mittagessen im Hotel schon versäumt. Bis zum Abendessen halte ich locker durch, obwohl ich schon sehr großen Hunger habe. Nachdem ich mein Zimmer bezogen und den alten im landestypischen Still gefertigten Kasten - samt landestypischem Geruch -, eingeräumt habe, begebe ich mich sofort auf den Strand, um ein wenig auszuspannen. Ich beziehe meine Liege in der ersten Reihe und genieße den Ausblick. Plötzlich steht ein Ausländer vor mir und verlangt meine Schirmnummer. Es ist die Nr. 389, ich schaue auf meinen Schirm und lese die Nummer 8 ab. Der neue Liegeplatz ist viel besser. Ich habe direkten Blick auf die Umkleidekabine und auf das Abluftrohr des Strand-WCs. Das Meer sehe ich auch, ich muss nur auf die Liege steigen und mich ein bisschen strecken. Ich habe noch eine Stunde Zeit bis zur Kaffeepause und die werde ich mit Ausruhen verbringen. Das Geschrei der Ausländer, die ich nur schlecht verstehe, ist zwar störend, aber wofür gibt es einen Walkman. Endlich, es ist Kaffeezeit. Ich bin gespannt, ob mich der Betreiber der Strandkneipe wieder so freundlich begrüßt wie all die Jahre zuvor. Ich glaube wir sind schon Freunde. Ich gehe immer zu ihm, da der Kaffee dort billiger ist als bei den anderen. Die Strandkneipe ist zwar ein wenig abgelegen, hat keinen Meerblick und kein WC, aber ich habe bis jetzt noch immer einen Platz mit Blick auf die Straße bekommen. Ich liebe es, den Ausländern beim Vorbeifahren zuzusehen. Hallo, wie geht’s, begrüßt er mich, und wir betreiben die obligate Konversation. Nachdem ich den etwas bitteren Bohnensaft konsumiert habe, begebe ich mich wieder zur Liege Nr.389. Noch zwei Stunden bis zum Essen. Eine halbe Stunde vor dem Essen gehe ich noch ins Kaufhaus, um Mineralwasser zu besorgen. Bei Tisch wundere ich mich, dass kein Wein und kein Wasser am Tisch bereit stehen. Nachdem mich der Kellner - ich glaube, er ist ein Deutsch sprechender Türke- , darüber belehrt, dass der Wein und das Wasser heuer gesondert zu bezahlen sind, vergeht mir ein ganz klein wenig der Appetit. Um nicht blöd gegenüber den anderen Urlaubern dazustehen, bestellte ich mir eine Flasche Wein aus der Region. Es ist eine Frechheit wie die einem im Urlaub und seit dem EU-Beitritt abzocken, sagte ich leise zu mir selber. Die Vorspeise ist kalt und als Hauptgericht gibt es Aufschnitt. Ich habe wirklich Lust auf Käse, der zu dem Wein besser munden würde als die Wurst. Es gibt Krakauer und Extrawurst, beide etwas dick geschnitten. Das ist eben der Vorteil der Vollpension. Nach dem reichlichen Abendessen, habe ich noch immer Hunger und freue mich schon auf den folgenden Altstadtbummel und auf das morgige Frühstück. In der Altstadt kenne ich nämlich einen Geheimtipp, in dem die Preise viel moderater sind. Der Besitzer ist ein Tiroler. Heute sind aber viele Menschen am Spazieren, denke ich mir auf dem Weg dorthin. Der Ober in meinem Geheimtipp-Ristorante begrüßt mich mit einem freundlichem Hallo, wie geht’s. Mir gefällt die freundliche Art der Ausländer und ihre Mentalität ganz besonders. Ich trinke noch Wein und unterhalte mich mit den eigenen Landsleuten. Nur wer eine Reise tut, kann etwas erzählen, denke ich mir und ich bin stolz. Ich würde gerne noch sitzen bleiben, aber da ich für den morgigen Tag fit sein will und Hunger habe, ziehe ich es vor, schlafen zu gehen. Das Gejohle aus der Kneipe, auf die ich von meinem Zimmer aus einsehen kann, hindert mich nur zwei Stunden am Einschlafen. Verspannt und nicht ausgeruht, erwache ich am nächsten Morgen und trinke als erstes ausgiebig Mineralwasser. Das füllt den Magen. Jetzt aber auf zum Frühstück! Ich reise immer nur in der Vor- oder Nachsaison, da ist es billiger, eigentlich will ich aber dem Gedränge am Buffet entfliehen und das geht im Mai und Oktober einfach besser. Richtig satt -ich umrunde das Buffet dreimal - begebe ich mich zur Liege Nr. 389. Heute ist aber besonders viel los am Strand, bemerke ich. Es stinkt mehr und es ist noch lauter als sonst. Diese verfluchten Touristen, denke ich mir, machen nur Dreck und Lärm und merken gar nicht wie schön es hier sein  könnte, ohne sie. Das Frühstücksbuffet ist auch nicht mehr so gut wie früher, bemerke ich, als mein Magen schon wieder anfängt zu knurren. Der Walkman kommt zum Einsatz und so nebenbei beobachte ich den Strandreinigungsdienst, der das angeschwemmte Gerümpel entsorgt und den Sand nach verloren gegangenen  Münzen und Schmuck der Urlauber durchwühlt. Dass sich dieses Ungetüm noch bewegt, ist eine Sensation, denke ich mir und studiere die uralte Maschine noch eine zeitlang. Nachdem sich das Ungeheuer mitsamt dem Gerümpel entfernt hat, begebe ich mich auf einen längeren Strandspaziergang und beobachte dabei die Menschen, die in den mir unsympathischen Strandcafés sitzen. Wenn die nur meine Geheimtipps kennen würden, denke ich mir. Beim Gehen bemerke ich, dass ich meine Brieftasche bei der Strandliege Nr. 389 vergessen habe. Das macht aber nichts, denn ich habe sie - so wie alle Jahre - schlauerweise im Sonnenschirmgeflecht ganz oben in der Strandhose sicher deponiert und getarnt. Da findet sie kein Mensch und auch kein Ausländer. Nach der achten Begegnung mit einem afrikanischen Strandverkäufer, der sich als billiger Jakob vorstellt, komme ich wieder bei der Nr. 389 an. Ich ziehe mich an und begebe mich ins Hotel zum Mittagessen, das  ohne Höhepunkte und ohne Wein stattfindet. Nachdem ich mich mit Mineralwasser in meinem Zimmer aufgetankt habe, gehe ich wieder zur Liege Nr. 389. Mit Würfelpokern verbringe ich die Zeit. Ich spiele gegen mich selbst, das ist total spannend.   Dann gehe ich wieder in die billige Strandkneipe. Beim bezahlen, bemerke ich, dass meine Brieftasche fehlt. Ich wundere mich, dass sie mir doch gestohlen wurde, denn sie war so genial versteckt. Da ich mein Urlaubsgeld aber immer auf mehrere Positionen verteile, kann ich den Verlust verkraften. Dass ich den größten Anteil in der gebrauchten Wäsche verstecke, weiß ja keiner. Vielleicht tun das andere auch. Mich graust es bei dem Gedanken, dass ich vielleicht Geld in den Händen habe, das andere in ihrer gebrauchten Unterhose aufbewahrt haben. Die Leute sind ja so ekelhaft und unappetitlich. Der Wert meines Verlustes beträgt in etwa drei Käseplatten und einen Liter Wein im Geheimtipp-Ristorante oder den Aufschlag, den ich für den Meerblick im Hotel, auf den ich verzichtet hatte, bezahlt hätte. Der Nachmittag vergeht schnell. Beim Würfelpokern mit dem Strandliegenbezieher von Nr. 390 verliere ich drei Liter Rotwein in meinem Geheimtipp-Lokal. Nach dem Abendessen gehe ich dorthin. Die Nr. 390 ist an diesem Abend zum ersten mal im Geheimtipp. Ich muss meine Spielschulden begleichen und ärgere mich, dass ich meinen Geheimtipp verraten habe. Ich spazierte jeden Tag etwa sechs Kilometer und genieße die fremde Atmosphäre. Der Lärm aus der Kneipe, auf die ich von meinem Zimmer aus einsehen kann, hindert mich weiterhin am Einschlafen und die servierten Gerichte im Hotel entsprechen nicht ganz meinen Vorstellungen. Die neuen Sitznachbarn im Hotel bestellten sich außertourlich eine Portion schwarze Muscheln und teilten sich diese durch drei. Mehr als die Hälfte davon lassen sie stehen und bestellen noch einen Kinderteller Pommes. Wenn ich so weit bin wie die, dann bleibe ich lieber gleich zu Hause, denke ich mir. Aber sie trinken zwei Liter Wein, fällt mir so nebenbei auf. Sonst gibt es nichts zu erzählen, außer, dass alles viel teurer geworden ist und, dass ich im Mini-Golf auch heuer wieder ungeschlagen bin. An meinem letzten Urlaubstag verabschiede ich mich in der Strandkneipe und im Geheimtipp-Ristorante und beide Wirte sagen - bis nächstes Jahr und Aufwiedersehen - zu mir. Im Hotel bezahle ich meine Rechnung und zwei Liter Extra-Wein.  Bevor ich die Heimreise antrete, gehe ich noch zur Nr. 389, steige auf die Liege und blicke wehmütig auf das Meer. Bis nächstes Jahr, denke ich mir. Auf dem Markt, den ich an meinem Abreisetag immer besuche, verkaufen sie noch immer die selben Sachen, die ich daheim aber viel günstiger bekomme. Die Straßenmarkierungsmaschine, die ich nach elf  Kilometern auf der Heimfahrt endlich überhole, bringt mir zum Abschluss meines Urlaubes bei Freunden noch einen fetten Strafzettel ein. Aber ich mag die Carabinieri. Eine doppelte Sperrlinie zählt bei denen halt noch was. Das ist dort Tradition. Heuer habe ich besonders viele Urlaubseindrücke, die ich in meinem Stammcafe erzählen kann und sie werden mich auch wieder um meine Bräune beneiden. Nach dem Urlaub aber fühlte ich mich einwenig so wie du jetzt, nachdem du diese Scheiße gelesen hast.

aW 2007

 
 
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